Die Tränke nicht stiefmütterlich behandeln: Wie war das nochmal mit der Wasserqualität?

Nicht nur wir, sondern auch unsere Tiere brauchen es: Wasser. Dieses muss in guter Qualität und ausreichend zur Verfügung stehen, da eine schlechte Wasserqualität die Ursache für Leistungseinbrüche und Gesundheitsprobleme fördert. Die Qualität von Tränkewasser unterscheidet sich jedoch grundlegend. Doch was genau bedeutet Tränkewasserqualität?

Die folgende Artikelserie setzt sich in diesem und im nächsten Journal mit diesem Thema auseinander. Im ersten Teil wird der Fokus auf die Wasserqualität und deren Beurteilungsparameter, sowie auftretende Qualitätsprobleme gelegt. Im zweiten Teil geht es um präventive Maßnahmen, um eine dauerhaft gute Tränkewasserqualität zu sichern.

Tränkewasserqualität

Der einzige rechtliche Hinweis auf Tränkwasser ergibt sich aus der Futtermittelhygiene-Verordnung. Danach muss Tränkwasser so beschaffen sein, dass es für die betroffenen Tiere „geeignet“ ist. Tabelle 1 zeigt einen Ausschnitt der relevanten Orientierungswerte veröffentlicht durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Parameter

Orientierungswerte
Tränkwasser

Grenzwerte
Trinkwasserverordnung

pH-Wert

5-9

6,5-9,5

Elektr.Leitfähigkeit (µS/cm)

< 3000

2500

Calcium (mg/l)

500

Kein Grenzwert

Eisen (mg/l)

< 3

0,2

Nitrat (mg/l)

300* bzw. 200**

50

Nitrit (mg/l)

< 30

0,5

Sulfat (mg/l)

< 500

240

Tabelle1: Wichtige Orientierungswerte für Tränkwasser (Ausschnitt aus Orientierungsrahmen Tränkwasser (BMEL s. www.bmel.de/DE/Tier/Tierernaehrung/_texte/Orientierungsrahmen-Traenkwasser), * ruminierende Wiederkäuer; ** Kälber und andere Tierarten

Physiko-chemische Beeurteilungsparamter

Ein optimaler pH-Wert bewegt sich bei Wasser um die 7. Ein zu hoher pH-Wert (>9) kann beim Tier die Wasseraufnahme vermindern, wohingegen saures Wasser (< 5,5) die Oberflächen und Leitungen angreifen, sowie bei älteren Leitungen Kupfer und Zink freisetzen kann. Eine hohe elektrische Leitfähigkeit ist ein Indikator für unerwünschte Einträge von Natrium, Kalium und Chlorid (z.B. durch Harn Kot u.ä.). Zu hohe Konzentrationen von Calcium und Eisen führen zu Ablagerungen in den Leitungen. Gleichzeitig behindert der stark metallische Geschmack von Eisen die Wasseraufnahme und kann die Wirksamkeit von Medikamenten beeinträchtigen. Ein erhöhter Nitratgehalt kann zu Fruchtbarkeitsstörungen, Aufblähungen und Krampfzuständen führen. Zu viel Nitrit kann Aborten, Unfruchtbarkeit und niedrigere Tageszunahmen begünstigen. Sulfat kann in zu hohen Mengen abführend wirken.

Das in das System eingespeiste Wasser sollte außerdem folgende Kennzahlen nicht überschreiten:

Mikrobiologische Parameter

Wert

E.Coli

0 KBE/ 100 ml

Enterococcus spp.

0 KBE/ 100 ml

Clostridium perfringens

0 KBE/ 100 ml

Aerobe Gesamtkeimzahl bei 22°C

100 KBE/ 1 ml

Ein permanentes Problem: der Biofilm

Auf eine regelmäßige Kontrolle des Wassers sollte also nicht verzichtet werden. Zu beachten ist, dass die Wasserquelle selbst nur selten das Problem darstellt. Bei allen Tränkesysthemen besteht die Gefahr des Eintrags von Bakterien und deren Toxine (Endotoxine) durch Kotverschmutzung und Futterreste. Der Keimeintrag erfolgt nämlich über die Düsen oder Trinknippel, von dort wachsen die Mikroorganismen rückwärts in die Leitung hinein. So entsteht in jeder Leitung ein sogenannter Biofilm, in dem sich Keime einnisten und vermehren können. Der Keimgehalt in diesen schmierigen Biofilmen ist erheblich höher als der im Wasser. Diese Mikroorganismen sondern nach und nach Endotoxine ab, welche zu lokalen und systematischen Entzündungen im Verdauungstrakt führen und sie somit direkt ins Blut gelangen und Reaktionen des Immunsystems auslösen können. Durch die allmählige Abgabe von Toxinen über den Biofilm ist dieser Prozess schleichend. Die geringen Mengen der toxischen Stoffe zeigen keine akuten Änderungen im Bestand, es kommt zu einer langsameren Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Dies führt, aufgrund einer Vernachlässigung der Überprüfung der Wasser- und Leitungsqualität, zu langwierigen Behandlungen, welche nicht richtig anschlagen.

Eine Vermeidung des Biofilms ist nur durch regelmäßige, geeignete Reinigung und Desinfektion möglich. Dazu bietet sich eine regelmäßige Kontrolle des Wassers an.

Fazit

Ausreichend sauberes Tränkwasser kann Gesundheitsproblemen vorbeugen und so den Einsatz von Tierarzneimitteln reduzieren. Welche Methoden am effektivsten sind, wie eine optimale Probeentnahme ablaufen sollte und wie Biomin Ihnen bei Ihrem Konzept helfen kann, erfahren Sie im nächsten Biomin Journal 2020.

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