Effekt Futterverwertung - ein wesentlicher Faktor!

Futterverwertung in der Praxis

Folgende Aussagen werden häuig in der Praxis verwendet, lassen jedoch nur indirekt auf eine bessere Futterverwertung schließen.
„Die Schweine haben weniger Futter gebraucht.“
„Die Mastdauer war kürzer.“
„Die Schweine waren schwerer.“
„Die Schweine hatten höhere Tageszunahmen.“

Es besteht ein Zusammenhang zwischen höheren Tageszunahmen und einer besseren Futterverwertung. Grund dafür ist, dass der Anteil des Erhaltungsbedarfes am Gesamtbedarf des Tieres bei höheren Tageszunahmen geringer ist. Wenn sehr hohe Tageszunahmen aber mit einem erhöhten Fettansatz erkaut werden, gilt dieser Zusammenhang nicht mehr, da für den Aubau von 1 kg Fettgewebe 4-mal mehr Energie benötigt wird als für den Aubau von 1 kg Muskelleisch.

Futterverwertung = Futterverbrauch (kg) / Gewichtszuwachs (kg)

Futterverwertung und Proteinstofwechsel

Proteine sind aus Aminosäuren aufgebaut, von denen es 20 verschiedene gibt. Als Endprodukt der Proteinverdauung werden die Aminosäuren über die Darmschleimhaut aufgenommen und über die Pfortader
in die Leber transportiert, wovon sie mit dem Blutstrom an den Ort des Bedarfes gebracht werden. In weiterer Folge dienen die Aminosäuren zum Aubau von körpereigenem Protein, z.B. Muskelprotein.
Da für den Aubau körpereigenen Proteins Aminosäuren in einem bestimmten Verhältnis benötigt werden, müssen sie auch über die Nahrung in diesem Verhältnis aufgenommen werden. Das gilt für Aminosäuren,
die nicht aus anderen Aminosäuren hergestellt werden können → essentielle Aminosäuren (Lysin, Methionin, hreonin und Tryptophan sind die wichtigsten).


Fehlt eine essentielle Aminosäure für den Aubau von körpereigenem Protein (= limitierende Aminosäure), können die anderen Aminosäuren nicht genutzt werden und müssen zu Harnstoff umgewandelt
und ausgeschieden werden. Dieser Prozess benötigt Energie und belastet die Leber. Harnstof wird in weiterer Folge von Mikroorganismen teilweise zu Ammoniak abgebaut, mit den bekannt negativen
Auswirkungen auf die Stalllut. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, eine generelle Überversorgung mit Rohprotein zu vermeiden (Endmast) und durch den ausgewogenen Einsatz von freien Aminosäuren über das Mineralfutter ein bedarfsgerechtes Aminosäureverhältnis herzustellen.

Futterverwertung und Ammoniak in der Stalllluft

Eine ständige Belastung mit Ammoniak führt zur Bildung einer Lipoidschutzschicht in den Lungenbläschen (Alveolen). Diese Schutzschicht erschwert aber den Gasaustausch und führt zu einer eklatanten
Leistungsminderung betrofenen Tiere. Experimentelle Untersuchungen haben gezeigt, dass die Infektabwehr bei Schweinen durch Ammoniakkonzentrationen von 50 ppm (= 0,005 Vol.%) signiikant vermindert wird. Bereits ab einem Ammoniakgehalt von 20 ppm werden klinische Symptome wie Reizhusten und gerötete Schleimhäute (Lidbindehäute, Nase) festgestellt. Der Ammoniak-Gehalt der Stalllut soll daher unter 20 ppm liegen (Schuh 2010, zit. nach Zentner).


Neben der Tiergesundheit gewinnt die Reduktion der Ammoniakemissionen hinsichtlich der Vermeidung von Anrainerproblemen und bei Baugenehmigungsverfahren immer mehr an Bedeutung. Zusätzlich zur Rationsgestaltung ist der Einsatz des planzlichen Futtermittelzusatzstofes Digestarom® ein bewährter Weg, die Proteinverdauung zu verbessern und dadurch Ammoniakemissionen zu reduzieren.

Die Ökonomie der Futterverwertung

In der Graphik ist der Einluss der Futterverwertung auf verschiedene ökonomische Aspekte dargestellt. Der Darstellung liegt ein Preis von € 250.- pro Tonne Alleinfutter zu Grunde. Wenn sich die Futterverwertung um 5 % verbessert, beispielsweise von 2,72 auf 2,58, können bei 100 Mastschweinen € 297.- an Futterkosten eingespart werden. Umgelegt auf eine Tonne Futter ergibt sich bei einer 5%igen Verbesserung der Futterverwertung eine Einsparung von € 13,60.

Fazit

Die Futterverwertung ist ein entscheidender wirtschatlicher Faktor in der Schweinemast. Maßnahmen, die hier eine Verbesserung bringen, sind ein gutes Investment.

Wie wirkt sich eine geschwächte Darmbarriere auf die Futterverwertung aus?

„Nur“ 30-46 % des aufgenommenen Stickstofes werden vom Mastschwein angesetzt – der Rest geht verloren und wird über Harn und Kot ausgeschieden. Verschiedene Stressoren wie Endotoxine, Mykotoxine (vor allem DON und Fumonisine), aber auch Hitzestress, können die Darmbarriere schwächen. Halbverdaute Nahrungsbestandteile und Endotoxine gelangen so aus dem Darm ins Blut und lösen in weiterer Folge subklinisches Entzündungsgeschehen aus. Die Verwertung des aufgenommenen Nahrungsproteins verschiebt sich dadurch zu Ungunsten des Proteinansatzes (Muskelleischaufbau), da für die  Immunantwort und Krankheitsabwehr in einem ersten Schritt sogenannte Akute-Phase-Proteine gebildet werden, wofür wiederum Aminosäuren „verbraucht“ werden. Diese Aminosäuren fehlen beim Wachstum. Erschwerend kommt hinzu, dass für die Bildung der Akute-Phase-Proteine ein speziisches Aminosäuremuster benötigt wird. Außerdem ist die Nährstofaufnahme bei einer geschädigten Darmschleimhaut
geringer, was sich negativ auf die Futterverwertung auswirkt.