Faser: JA, aber Warum?

Was ist (Roh-) Faser eigentlich?

Als Rohfaser definiert man den organischen Rückstand, der nach Säure- und anschließender Alkalibehandlung übrigbleibt. Die Faserfraktion enthält zum größten Teil unlösliche Kohlenhydrate. Diesen ordnet man Gerüstsubstanzen von Pflanzen zu und sind z.B. Cellulose oder Lignin, welche in Zellwänden zu finden sind (Jeroch et al., 2013).


Welche Arten von Faser gibt es?

Die Einteilung von Faser ist sehr umfangreich und komplex. Generell kann man sagen, dass je unlöslicher die Faser ist, desto weniger fermentierbar ist sie. Bestimmte Faserarten können durch die im Dickdarm und Blinddärmen angesiedelten Mikroben fermentiert werden, d.h. es können beispielsweise Fettsäuren als zusätzliche Energiequelle für das Tier und positive Bakterien gewonnen werden. In Tabelle 1 sind verschiedene Effekte unlöslicher Faser bei Geflügel abgebildet.

Tabelle 1: Effekte von unlöslicher Faser bei Geflügel


Was sind nun Anforderungen & Vorteile von unlöslicher Faser?

In früheren Fütterungsempfehlungen wurde vor allem auf eine Höchstgrenze von Rohfaser im Futter hingewiesen. Heutzutage wird empfohlen, einen Mindestgehalt an Faser in der Ration einzuhalten, den man auch in Fütterungsguides von Zuchtfirmen findet (z.B. Lohmann Tierzucht, Hubbard u.v.m.).
In hochproduktiven Geflügelbeständen werden oft Rohstoffe verwendet, die energie- oder proteinreich sind und selbst relativ wenig Rohfaser enthalten (Jeroch et al., 2013). In der Rationsgestaltung gibt es Möglichkeiten mit z.B. Kleien oder Schroten, auch mit standardisierten, konzentrierten Faserquellen zu arbeiten, um Faser in die Ration zu bekommen. Was bei Komponenten wie Kleien zu beachten ist, ist oftmals eine hohe Mykotoxinbelastung, die erhebliche negative Auswirkungen auf Geflügel haben. Standardisierte, konzentrierte Faserquellen sind mikrobiologisch unbedenklich und frei von Mykotoxinen. In der Rationsgestaltung haben sie den Vorteil, dass sie die Mischung nicht verdünnen, da sie selbst sehr hohe Fasergehalte (> 60%) besitzen (Bosse und Pietsch, 2017). 
Die optimale Empfehlung für einen Rohfasergehalt in der Ration ist von der Geflügelart, dem Alter und der Nutzungsrichtung abhängig. Zu beachten ist, dass die empfohlenen Gehalte nicht übermäßig überschritten werden, weil dann die gesamte Nährstoffverdaulichkeit vermindert wird und es zunehmend schwierig wird, eine ausreichende Energie- und Nährstoffdichte zu erreichen. Ausgenommen davon sind Systeme, in denen gezielt hohe Rohfasergehalte zur Energierestriktion eingesetzt werden, wie z.B. bei Masthuhn Elterntieren (Jeroch et al., 2013).


Vorteilige Effekte unlöslicher Faser:

Aufzuchttiere
Der Einsatz von unlöslicher Faser fördert die Entwicklung des Verdauungstraktes bei Aufzuchttieren (z.B. Junghennen). Die Entwicklung des Muskelmagens wird gefördert und eine ausreichende Futteraufnahme in der Leistungsphase ermöglicht (Jeroch et al., 2013).

Einstreuqualität
Das Darmmilieu wird stabilisiert und somit Verdauungsstörungen vorgebeugt. Die Kotkonsistenz wird verbessert und in Bodenhaltungssystemen bleibt die Einstreuqualität hoch, weiters wird das Auftreten von Schmutzeiern reduziert (Jeroch et al., 2013). Lignocellulose-Faserkonzentrate (>60% Rohfaseranteil) besitzen eine sehr hohe Wasserbindekapazität, d.h. überschüssige Flüssigkeiten werden im Verdauungstrakt gebunden und teils im hinteren Verdauungstrakt resorbiert, teils mit dem Kot ausgeschieden (Bosse und Pietsch, 2017).

Darmmikrobiota & Stabilität
Unlösliche Faser hat Einfluss auf die Darmstabilität und Gesundheit, indem sie das Wachstum von unerwünschten Bakterien auf zwei Arten ausbremst.  Erstens erhöht sie die Passagerate des Verdauungsbreies, das ein Aufsteigen von pathogenen Keimen vermindert. Zweitens stimuliert sie das Wachstum von Goblet Zellen, welche für die Absonderung des Mucus verantwortlich sind (sh. Abb.2). Wird dieser ausreichend gebildet, so wird die Darmschleimhaut geschützt, so können sich weniger unerwünschte Bakterien anhaften und vermehren (Bosse und Pietsch, 2017).

Abbildung 1: Schematischer Darstellung einer Goblet-Zelle

  
Fazit

Eine bedarfsgerechte Rohfaserversorgung beugt Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts vor. Sie wirkt sich positiv auf das Wohlbefinden der Tiere aus und ist Voraussetzung für eine optimale Verdauung und damit Verwertung der mit dem Futter aufgenommenen Nährstoffe. Bei Geflügel kann Biomin® ADF als eine unlösliche, nicht fermentierbare Faserquelle mit hohem Quellvermögen, als diätetische Faser zur Stabilisierung der Darmgesundheit eingesetzt werden und Kotkonsistenz und Einstreufeuchte verbessert werden.