Nacherwärmung verhindern - was tun, wenn das Futter warm wird?

Mit gutem Substrat verläuft der Siliervorgang idealerweise wie im Schaubild dargestellt: 

Je trockener siliert wird, desto höher ist die erforderliche Verdichtung, um ungewünschte Sauerstoffeinschlüsse zu vermeiden. Ansonsten tritt nach dem Öffnen des Silos verstärkt das Problem von Hefe- und/oder Schimmelbildung auf. Dabei ergeben sich negative Effekte auf die gesamte Silagequalität. Die Milchsäure, die die Silage stabilisiert, wird von den Hefen verbraucht. Dadurch wird die Haltbarkeit des Silos reduziert und es kommt zur Instabilität (pH > 5.5)

Die Pufferkapazität im Silo sollte nicht zu hoch sein. Dies wird durch sauberes Siliergut erreicht (wenig Rohasche < 10%). Der Leguminosen- und Kräuteranteil sollte nicht über 30% liegen. Eine zu langsame pH-Wert Absenkung kann auch an einer zu langsamen Befüllung, einer zu geringen Verdichtung oder einer suboptimalen Abdeckung liegen. Das Risiko der Nacherwärmung steigt, da die aerobe Stabilität ungenügend ist.
Ein zu später Schnittzeitpunkt bei der Grassilageproduktion verschlechtert die Verdaulichkeit (Energiegehalt niedrig) und erschwert zusätzlich die Verdichtung im Silo. Der Rohfasergehalt sollte bei max. 22-25% liegen. Älteres und grob stängeliges Futter muss kurz gehäckselt (2 – 4 cm) werden, sonst verleibt zu viel Restluft im Stängel bzw. im Siliergut. Die Schnitthöhe von 5-6 cm sollte zur Grasnarbenschonung und auch zur Vermeidung von Schmutzeintrag in das Silo eingehalten werden.

Die Trockenmasse sollte 40% bei Grassilage bzw. 35% bei körnerreichen Maissilagen nicht übersteigen. Andernfalls wird die Verdichtung erschwert und die Gefahr der Nacherwärmung durch Hefen und Schimmelpilze, vor allem bei spätem Schnittzeitpunkt, steigt stark an. 

Woher kommen die Hefen und Schimmelpilze?

Hefen und Schimmelpilze kommen auf allen Pflanzen vor, gelangen jedoch häufig zusätzlich durch schlechtes Erntemanagement (z.B. Verschmutzung) ins Futter. Sie arbeiten sowohl mit, als auch ohne Sauerstoff und sind die Wurzel allen Übels – der Nacherwärmung!
Hefepilze vergären ohne Sauerstoff (anaerob) mit Zucker zu Alkohol, wobei auch verschiedene Duft- und Geschmacksstoffe entstehen. Erst mit Luftzutritt (aerob) kommt es zur Nacherwärmung, wobei Hefen alle vorhandenen energiehaltigen Substanzen (Restzucker, Milchsäure, Alkohol)  verstoffwechseln. Es entstehen hohe Energieverluste, wobei sich die Silage erwärmt. Beim Öffnen des Silos wird dieser Vorgang gestartet. Aus der Umgebung tritt Sauerstoff ein und die bereits vorhandenen Hefen vermehren sich explosionsartig (Nacherwärmung). Hierbei sind energiereiche Maissilagen besonders gefährdet. Infolge der Atmung (Verbrennungsprozess) wird die Silage rasch erwärmt. Außerdem profitieren auch wärmeliebende Schimmelpilze von der Temperatursteigerung im Silo. Somit steht man vor einer neuen, qualitätsmindernden Herausforderung.

Eine Möglichkeit zur Minderung der Nacherwärmung stellt die zusätzliche Produktion von  Essigsäure dar. Sie wirkt der Aktivität  von Hefen – und Schimmelpilzen entgegen. Des Weiteren sollte das Siliergut beim Einbringen nicht zu trocken sein (> 40 % TM), da die Essigsäurebildung eine Begleiterscheinung von feuchten Silagen ist. Auch heterofermentative Milchsäurebakterien, wie sie in Biostabil enthalten sind,  produzieren moderate Mengen an Essigsäure und mindern so die Hefepilzaktivität.

Das Wichtigste bei der Silagebereitung sind Sauerstofffreiheit, Verdichtung und Abdeckung!!! 
Durch eine schnelle pH-Wert Absenkung wird der Hefebesatz reduziert. Energiereiche Silagen + Hefebesatz + Luft = Nacherwärmung!

Wie lange sollte der Silo geschlossen bleiben?
Bleibt der Silo lang genug geschlossen, ist auch die Stabilität nach dem Öffnen besser. Die Grassilage sollte 5 - 6 Wochen, Ballensilage 3 Wochen und Maissilage mindestens 4 Wochen unter Verschluss gehalten werden. Je trockener, desto länger sollte man warten. Nach dem Öffnen sollte im Winter 1,5m pro Woche und im Sommer 2,5m pro Woche Vorschub eingehalten werden. Ist der Vorschub ungenügend und der Sauerstoff tritt ein, bildet sich außerdem Schimmel. 

Mein Silo ist warm, was kann ich tun?

Entstehen Probleme im Silo und eventuell auch in der Mischration,  ist es extrem wichtig sofort zu reagieren. Auf warmes Futter reagieren die Kühe meist mit erhöhter Zellzahl und Euterentzündungen. Das bedeutet, dass das schlechte Futter großzügig weggeräumt werden muss. Folgende Produkte können zur Unterstützung eingesetzt werden:

Anschnitt und TMR sind warm:

  1. Den Anschnitt mit Biomin TMR Fit, einem Propionsäuregemisch nicht korrosiv, einsprühen. Dazu sollte man 0,25 – 0,5 kg/m2 (zur besseren Verteilung mit Wasser im Verhältnis 1:4 mischen) oder eine fertige Mischung  im Mischwagen mit 2 -4 kg/ Tonne  einsetzen. 
  2. Als Pulver für den Mischwagen kann Biomin® StabiCool zur TMR-Stabilisierung mit 2,0 – 3,0 kg pro Tonne Frischmasse eingesetzt werden (oder 100 bis 200g pro Tier und Tag). Es enthält zusätzlich zur Säure noch einen Pansenpuffer und Tonminerale zur Ammoniak-Bindung.


Silierhilfsmittel zur schnellen pH-Absenkung:
Biomin BioStabil Mays und Plus ist eine Mischung verschiedener homo- sowie heterofermentativer Bakterien, die für die anaerobe und aerobe Stabilität der Silagen sorgen. Dies wird durch eine rasche und tiefe Ansäuerung der Silagen erreicht und garantiert eine gute Stabilität nach dem Öffnen der Silos.

Hoher Zellgehalt und vermehrte Euterentzündungen, ausgelöst durch schlechte Futterqualität:
Mycofix® ProFarm 3.E  liefert den entscheidenden Beitrag zur Unterstützung der Leistungsfähigkeit der Tiere bei im Futter enthaltenen Mykotoxinen (Aflatoxine, Trichothecene, Zearalenon, Fumonisine, Ochratoxin A und Ergotalkaloide). Mycofix® ProFarm 3.E wird dem Futter während des Mischens zugesetzt oder über das Futter gestreut (Rinder, Milchvieh).

  • Milchkühe: 50 – 150 g pro Kuh und Tag
  • Mastrinder: 30 – 50 g pro Tier und Tag
  • Kälber: 5 kg pro Tonne Kälberaufzuchtmischung

Zu beachten sind insbesondere folgende Punkte während des Silierprozesses: Das Festfahren, die Verdichtung sowie das Abdecken des Silos, um anschließend einen optimalen Vorschub zu gewährleisten. Dann steht einer erfolgreichen Siliersaison nichts mehr im Weg!